Kürzung hier, Kürzung da

In eigentlich jedem Schadensfall, der kurz vor der außergerichtlichen Regulierung steht und in dem bereits ein Gutachten des Geschädigten – den meistens ich vertrete – vorliegt, bekomme ich von den Versicherern ein oft anonym gefertigtes „Überprüfungsgutachten“ zurück, aus dem sich dann eine mehr oder weniger wirkende willkürliche Kürzung der Ansprüche bzgl. des Gutachtens des öffentlich bestellten Sachverständigen ergibt.

Da werden dann angeblich nicht notwendige Lackierarbeiten abgezogen, günstigere Stundenverrechnungssätze in Vergleichswerkstätten vorgeschlagen usw.

Die Kürzungen können erheblich sein und sind dabei oft nicht einmal gerechtfertigt.

Teilweise sollen die Geschädigten auf Vergleichswerkstätten verwiesen werden, die knapp 25-30 km weit weg sind. Das dürfte meistens unzulässig sein. Außerdem teilen die Versicherer nicht mit, ob es sich bei diesen Werkstätten um Partnerwerkstätten der Versicherung handelt – ein eigentlich maßgeblicher Punkt -, denn wenn dies der Fall wäre, muss sich der Geschädigte deshalb schon nicht verweisen lassen.

Ist sein Fahrzeug noch nicht drei Jahre alt, ist ein Verweis auf eine günstigere Werkstatt unzulässig. Wenn es doch älter als drei Jahre ist, aber „Scheckheftgepflegt“                           (= regelmäßige Wartung innerhalb der letzten drei Jahre in einer markengebundenen Fachwerkstatt) ist ein Verweis ebenfalls unzulässig.

Bei den Stundenverrechnungssätzen sind die ortsüblichen Stundenverrechnungssätze maßgeblich. Der Geschädigte braucht sich nicht auf die billigste Werkstatt verweisen zu lassen.

Diese Fallstricke zeigen, dass es ratsam ist, sich von einem Fachmann beraten zu lassen, sollte die gegnerische Haftpflicht Positionen aus dem ursprünglichen Gutachten kürzen wollen.

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